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My Office
Namen & Nachrichten
14.12.2014 (GE 22/2014, S. 1476) Während ich diese Zeilen schreibe, wütet vor meinem Fenster gefühlt ein halbes Dutzend Presslufthammer-Bernhards. Mein Vermieter – Haus & Grund Berlin – muss, der Pflicht gehorchend, nicht dem eignen Triebe, die in den
60ern errichtete und inzwischen baufällig gewordene Tordurchfahrt zu den Parkplätzen im Hof des Verlagshauses erneuern. Der ohrenbetäubende Lärm geht nun seit Tagen schon so und nicht nur auf die Ohren, sondern auch ins Gehirn.
Gerade stürmt Klaus Schach, als ehemaliger Vorsitzender Landrichter ruhigere Zeiten gewöhnt, mit den Worten ins Zimmer:„Ich kann hier nicht arbeiten, ich verziehe mich in mein Home-Office“, da flattert mir doch diese Pressemitteilung des Allgäuer Gartenhausproduzenten Blockhaus Hummel auf den Bildschirm des Computers, um mir – und damit auch den Lesern – sein neuestes Produkt „My Office“ schmackhaft zu machen. Sehen Sie sich nur das beigefügte Foto an. Wenn Sie im Moment auch unter Lärm leiden, wird Ihnen der Lachkrampf zumindest temporär ein wenig Erleichterung verschaffen. Wer, um Gottes willen, denkt sich so etwas aus? Wer stellt in seinen wunderschönen Garten so einen hässlichen Würfel, der selbst vor 30 Jahren
als Wachhäuschen für DDR-Grenzer oder heute als Raucherkabine in unseren hauptstädtischen Kneipen Störgefühle auslösen würde? Haben die Allgäuer keine Landschaftsschutzverordnungen? Oder soll das neue Produkt vielleicht als eine Art bayerischer Racheakt nach Preußen importiert werden? Dabei bauen die Leute von Blockhaus Hummel aus dem oberschwäbischen Ottobeuren doch so wunderschöne Pavillons, Ferienhäuser, Teehäuser, Saunahäuser! Knapp 9 m2 Platz bietet der Bürocontainer für den Garten, den der Hersteller für „eine besonders pfiffige Lösung fürs Arbeiten in der vertrauten Umgebung daheim“ hält und damit wirbt, so könne man Büroplätze für Außendienstmitarbeiter einsparen. Fragt sich nur, was der „Außendienstmitarbeiter“ dazu sagt, wenn er (mindestens) 13.700 € investieren soll (ca. 1.600 €/m2), damit seine Firma sein Büro einsparen kann. Bodenplatte, Stromanschluss, Heizung oder Aufbau sind im Preis auch noch nicht enthalten. Aber dafür spart der Mitarbeiter auch nach einem „harten Akquisetag“ (Originalzitat der Pressemitteilung) den Umweg ins Büro und kann seine Berichte von zu Hause tippen, was offenbar ohne „My Office“ schon wegen der störenden Familie gänzlich unmöglich wäre. Auch für Freiberufler soll der Klotz bestens geeignet sein.
Das hat allerdings einen Haken, den die innovativen Allgäuer nicht bedacht haben: Damit würde das Finanzamt das Privatgrundstück flugs zum betriebsnotwendigen Vermögen rechnen, was die Kosten zumindest dann in schwindelnde Höhe treibt, wenn der Home-Officer sein Grundstück irgendwann mal verkauft. Ob das Arbeiten zu Hause wirklich so stressfrei ist, wie der Hersteller jubelt, wenn im Winter der Gang zur Toilette durch Wind und Schnee ins Haupthaus während der Arbeitszeit nur durch einen Triumph des Willens möglich wird? Ich frage mich, ob diese Idee der dünnen Bergluft zuzuschreiben ist – oder der Prototyp aus Versehen luftdicht gebaut wurde. Klaus Schach jedenfalls war mein Angebot, ihm so ein „My Office“ versuchsweise in den Garten seines Hauses in Kladow zu stellen, nur ein homerisches Gelächter wert. Und ich höre jetzt wieder die Presslufthämmer vor meinem Fenster. Aber jetzt klingen sie wie Musik in meinen Ohren.
Das hat allerdings einen Haken, den die innovativen Allgäuer nicht bedacht haben: Damit würde das Finanzamt das Privatgrundstück flugs zum betriebsnotwendigen Vermögen rechnen, was die Kosten zumindest dann in schwindelnde Höhe treibt, wenn der Home-Officer sein Grundstück irgendwann mal verkauft. Ob das Arbeiten zu Hause wirklich so stressfrei ist, wie der Hersteller jubelt, wenn im Winter der Gang zur Toilette durch Wind und Schnee ins Haupthaus während der Arbeitszeit nur durch einen Triumph des Willens möglich wird? Ich frage mich, ob diese Idee der dünnen Bergluft zuzuschreiben ist – oder der Prototyp aus Versehen luftdicht gebaut wurde. Klaus Schach jedenfalls war mein Angebot, ihm so ein „My Office“ versuchsweise in den Garten seines Hauses in Kladow zu stellen, nur ein homerisches Gelächter wert. Und ich höre jetzt wieder die Presslufthämmer vor meinem Fenster. Aber jetzt klingen sie wie Musik in meinen Ohren.






